Zuwanderung in Brandenburg
Allgemeine Situation – ostdeutsche Besonderheiten
Im Gegensatz zur Bundesrepublik, die bereits kurz nach ihrer Gründung ein Zuwanderungsgebiet war, war die DDR immer von Abwanderung geprägt. Die Hauptsäule der Zuwanderung in die BRD bildete die Arbeitskräftemigration, welche es in die DDR erst relativ kurz vor ihrem Ende gab. Migration in die DDR erfolgte hauptsächlich aus politischen Gründen, durch die Aufnahme von Flüchtlingen und durch die Qualifizierung von Studenten und Lehrlingen. Die Herkunftsländer waren dabei nach politischen Gesichtspunkten ausgesucht; zumeist um in den Herkunftsländern sozialistische Strömungen zu unterstützen, etwa in Chile oder Griechenland zu Zeiten des Bürgerkriegs.
Zuwanderung war zudem immer temporär konzipiert – eine öffentliche Diskussion fand nicht statt. Mit der Vereinigung beider deutscher Staaten wurde das bundesdeutsche Ausländerrecht auf die neuen Bundesländer übertragen. Zuwanderung in die neuen Bundesländer erfolgt seit der Vereinigung nun fast ausschließlich als Zuwanderung per Zuweisung – Arbeitsmigration gibt es fast nicht. Dieser Prozess vollzieht sich nach dem Wohnortzuweisungsgesetz nach dem drei Gruppen von Zuwanderern, die nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, zu einem bestimmten Prozentsatz entsprechend der regionalen Gesamtbevölkerung auf alle Bundesländer verteilt werden. Diese Gruppen setzen sich wie folgt zusammen:
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- Spätaussiedler/innen
- Jüdische Kontingentflüchtlinge aus den Nachfolgstaaten der der Sowjetunion
- Asylbewerber und politische Flüchtlinge
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Konsequenzen dieser Zuwanderung auf Zuweisung
Alle Gruppen sind zunächst auf öffentliche Transfergelder angewiesen. Solange sie diesen Status besitzen, sind sie zudem verpflichtet, an dem ihnen zugewiesenen Wohnort zu verbleiben. Sie bleiben zumeist sehr lange von Transfergeldern abhängig, bedingt durch die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Zuwanderer wählen somit auch nicht freiwillig ihren Wohnort – sondern kommen, weil sie keine andere Wahl haben. Viele wandern in die alten Bundesländer ab, sobald es ihre ökonomische Situation erlaubt, da die alten Bundesländer den Zuwanderern den Weg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Für die neuen Bundesländer bedeutet dies:
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Eine hohe Fluktuation der Zuwanderer
Eine Abwanderung gerade derer, die aufgrund persönlicher ResÂsourÂcen (berufliche Qualifikationen, Sprachkenntnisse) bessere Chancen auf dem (westdeutschen) Arbeitsmarkt haben (vgl. Weiss 2007).
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Zahlen und Fakten
Rein quantitativ betrachtet ist die Zuwanderung in die neuen BundesÂländer weitaus weniger ausgeprägt als in die alten Bundesländer. 2005 betrug der Anteil der nicht-deutschen Bevölkerung in der BRD 8,8 Prozent, wobei einzelne Bundesländer wesentlich höhere Anteile aufweisen, etwa Berlin mit 13,4 Prozent. In allen neuen Bundesländern lag der Anteil bei 2 Prozent, in Brandenburg waren es 2,7 Prozent[1]. Das bedeutet in absoluten Zahlen 65.840 Personen (Stand 2007).
Die Zahlen variieren jedoch, wenn man die Anzahl jener Personen hinzuzieht die über einen Migrationshintergrund[2] verfügen – also in etwa jene, bei denen mindestens ein Elternteil im Ausland geboren ist. Danach sind es mehr als 20 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung – in den neuen Bundesländern sind es 4,7 Prozent, in Brandenburg 6 Prozent. Somit leben in Brandenburg ca. 132.600 Menschen, die über einen Migrationshintergrund verfügen. Dabei sind 17 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund in den neuen Bundesländern bereits in Deutschland geboren, 34,6 Prozent leben länger als 10 Jahre hier.
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Zusammensetzung der ausländischen Wohnbevölkerung
Die Zusammensetzung der ausländischen Wohnbevölkerung in den neuen Bundesländern ist eine andere als in den alten. Staatsangehörige der klassischen Anwerberländer der BRD sind fast nicht vertreten – hingegen leben große Gruppen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in Brandenburg. Des Weiteren ist die hohe Zahl der aus Vietnam kommenden Menschen kennzeichnend für Ostdeutschland, also auch für Brandenburg. Hierbei handelt es sich um ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter und ihre inzwischen nachgezogenen FamilienangehöÂrige.
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Die Spätaussiedler/innen
Gesondert zu erwähnen sind an dieser Stelle noch die SpätausÂsiedler/innen, die als deutsche Staatsangehörige nicht in entsprechenden Statistiken aufÂtauchen, welche migrationsbedingte Merkmale aufzeigen. Dennoch sind die Aussiedler Zuwanderer/innen mit entsprechenden InteÂgrationsÂproblemen. Seit 1991 sind in Brandenburg 55.000 Spätaussiedler aufgenommen worden, es gibt jedoch keine gesicherten Daten darüber, wie viele von ihnen sich noch in Brandenburg aufhalten. Experten gehen von einem Drittel bis zu der Hälfte bei dieser Gruppe von Zuwanderern aus (vgl. Weiss 2007).
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Tabelle 1: In Brandenburg lebende Ausländer nach Herkunftsland 2008.
|
Ausländer am 31.12. |
Einheit |
1999 |
2003 |
2007 |
|
Europa |
1000 |
34,8 |
33,2 |
30,0 |
|
darunter Polen |
1000 |
7,5 |
8,2 |
6,4 |
|
Russ. Föderation |
1000 |
2,6 |
4,2 |
4,1 |
|
Ukraine |
1000 |
2,2 |
3,9 |
4,1 |
|
Türkei |
1000 |
2,6 |
2,5 |
2,3 |
|
Afrika |
1000 |
4,4 |
3,4 |
2,6 |
|
Amerika |
1000 |
1,5 |
1,9 |
1,9 |
|
Asien |
1000 |
11,2 |
12,6 |
10,8 |
|
darunter Vietnam |
1000 |
5,9 |
5,4 |
4,4 |
|
Australien und Ozeanien |
1000 |
0,1 |
0,1 |
0,1 |
Quelle: Die kleine Brandenburg-Statistik 2008.
[1] Die kleine Brandenburg Statistik 2008: Amt für Statistik Berlin Brandenburg.
[2] Die Aussagen zum Migrationshintergrund beziehen sich auf die Auswertung der Mikrozensusdaten des Jahres 2005.















