Juni 2011
März 2011
Women in Exile and friends
Wir fordern: Keine Lager für Flüchtlingsfrauen!
In Brandenburg leben Flüchtlingsfrauen – Asylbewerberinnen und sogenannte gedul¬dete" Frauen – und ihre Kinder über Jahre hinweg in Sammelunterkünften. Gewalt und Übergriffen finden sehr oft dort statt, wo es Machtunterschiede gibt. Da die Frauen sowohl von rassistischer als auch von sexistischer Unterdrückung betroffen sind, ist es unverantwortlich, dies durch weitere Abhängigkeiten, die durch ein Leben in Sammelunterkünften entstehen, zu verstärken. Frauen und Kinder leiden stark unter dieser Lebenssituation, die häufig krank macht. Die Unterbringung in Sammelunterkünften missachtet die Rechte der Flüchtlingsfrauen und ihrer Kinder!
Wir fordern: Frauen und Kinder, die in Sammelunterkünften leben, müssen in Wohnungen in ihren Wohnorten untergebracht werden. Die Sammelunterkünfte müssen mit sofortiger Wirkung geschlossen werden. Wir – Frauen und Kinder in Sammelunterkünften...
a) Wir leben in einer Situation der Isolation und Ausgrenzung, weit entfernt von Wohngegenden, Schulen, Einkaufszentren, Bahnhöfen etc.
b) Wir haben keine Privatsphäre, da wir Zimmer, Toilette, Küche und Bad mit vielen anderen Bewohnern und Bewohnerinnen teilen, die wir oft gar nicht richtig kennen. Frauen müssen dieselben Toiletten benutzen wie Männer, oft ohne die Möglichkeit, die Türen abzuschließen.
c) Wir leiden unter den schlechten hygienischen Bedingungen, die sich aus der unüberschaubaren, gemeinsamen Nutzung der Toiletten, Duschen und Küchen ergibt. Menschen mit ansteckenden Krankheiten haben nur schwer die Möglichkeit, sich so zu verhalten, dass sie andere nicht anstecken. Wie überall, sind Toiletten, die auch von Männern benutzt werden, meist noch unhygienischer und dreckiger.
d) Wir verbringen schlaflose Nächte aufgrund von Schritten und Lärm, der fast jede Nacht die Ruhe stört. Durch die unterschiedlichen Interessen und Lebensumstände, ist der Geräuschpegel so hoch, dass wir nicht schlafen können. Dies ist besonders für die Kinder belastend.
e) Wir leben in einem nicht kindgerechten Umfeld, in dem altersgerechtes Lernen und Spielen nicht machbar ist. In der Situation des engen, ungewollten Zusammenlebens, wird den Eltern die Möglichkeit genommen, für das Wohl ihrer Kinder durch die Gestaltung positiver Lebens- und Lernverhältnisse in vollem Umfang Sorge zu tragen und ihre Kinder vor schädlichen Verhaltensweisen zu schützen.
f) Wir betrachten die Missachtung unserer ohnehin eingeschränkten Privatsphäre als Übergriffe. Mitarbeiter der Sammelunterkünfte missachten unsere Privatsphäre, indem sie die Zimmer während unserer Abwesenheit betreten oder sich in einigen Fällen mit dem Generalschlüssel Zugang zu Wohnräumen verschaffen ohne anzuklopfen und ohne zu beachten, ob die Bewohnerinnen bekleidet sind oder nicht. Manchmal nutzen Mitarbeiter der Sammelunterkünfte sogar die Unwissenheit und Abhängigkeit von Frauen aus, indem sie Frauen zu sexuellen Kontakten nötigen.
g) Wir erleben häufig sexualisierte, sexuelle und physische Gewalt. Wir müssen in einem Umfeld leben, in dem wir beim Verlassen der Dusche mit Männern konfrontiert sind, die versuchen, uns an die Brust zu fassen. Immer wieder kommt es zu Vergewaltigungen in Flüchtlingsunterkünften. Im Falle einer Belästigung wird nicht der Täter, sondern das Opfer aus der Sammelunterkunft genommen. So bleiben die anderen Frauen weiterhin gefährdet.
h) Wir sind gefährdet in der Situation des engen Zusammenlebens mit uns unbekannten Männern. Wir fühlen uns nicht sicher, wenn wir nachts die langen Flure zu den entfernt liegenden Toiletten durchqueren müssen. Oder in manchen Heimen sogar das Wohngebäude verlassen müssen, da die Toiletten außerhalb untergebracht sind. Auch sind Fälle bekannt, in denen Männer versucht haben, in die Getränke von Frauen Drogen zu mischen. Wie für viele deutsche Männer gilt auch für viele Migranten, dass ihr Verhalten gegenüber Frauen von Sexismus geprägt ist. Das Spezifische an unserer Lebenssituation ist, dass das erzwungene Zusammenleben diese Konflikte verschärft und das respektvolle Miteinander erschwert.
i) Wir fühlen uns diskriminiert und von der Gesellschaft abgeschnitten. Die Entscheidung, uns Flüchtlingsfrauen in abgelegenen Sammelunterkünften unterzubringen, macht uns zum Objekt stereotyper Zuschreibungen. Wir sind konfrontiert mit der Überzeugung von Männern, die Flüchtlingsfrauen an diesem Ort seien Frauen, die ihnen zu Verfügung stehen und wir werden durch ihre respektlosen Angebote diskriminiert und belästigt.
j) Wir werden im Falle einer akuten Krankheit oft nicht ausreichend versorgt. In der Notfallsituation sind wir abhängig vom Willen des Heimleiters, der über das Rufen oder Nicht-Rufen eines Krankenwagens entscheidet. Nach Operationen werden wir aus dem Krankenhaus entlassen und stehen da ohne finanzielle und praktische Hilfe bei der Rückkehr in die abgelegene Sammelunterkunft und ohne Unterstützung und medizinischen Rat während des Heilungsprozesses.
Women in Exile, die Bewohnerinnen der Sammelunterkünfte und eine Vielzahl von unterstützenden Gruppen und Einzelpersonen sagen:
Die Lebenssituation der Frauen und Kinder in Sammelunterkünften ist unhaltbar!















